Vieles – nur kein Museum
Pfr. Schweizer mit ehemaligen Pfarrern der Fellingshäuser Kirchengemeinde: Horst Rockel , Claudia Strunk und Helmut Scholl
Kategorie: Startseite, Biebertal
Quelle: Volker Mattern
Bildrechte: Volker Mattern
Nicht nur in der Predigt wurde deutlich, dass das Gotteshaus über die Jahrzehnte seit seiner Einweihung am 15. Februar 1900 immer ein Ort war, unter dessen Dach Leben in all seiner Vielfalt stattfand, wo Menschen zusammenkamen, um Gottes Wort zu hören, Trost zu finden, Zuspruch, zu beten, aber auch um gemeinsam zu singen, zu feiern und sich der konzertanten Muse zuzuwenden. „Kirche mitten im Leben“ war das Thema und der Bibeltext aus dem 19. Kapitel des Lukasevangeliums der Leitgedanke für die Predigt. „Jesus ist gekommen, um zu suchen und zu heilen, was verloren ist“.
Zu lesen war dieser Vers auch auf dem Banner hinter dem Altar, das extra für das Jubiläumsjahr angefertigt wurde und auch an jenen Spruch erinnern sollte, der einst als Inschrift an gleicher Stelle zu lesen war. Mit einem kurzen Ausflug in die Historie machte Daniel Schweizer deutlich, welchen Veränderungen nicht nur das Gebäude, sondern auch Kirche selber im Laufe der Zeit unterworfen waren. Eher symbolisch die Betrachtung, dass vor etwas mehr als 125 Jahren in Fellingshausen offensichtlich geworden sei, wo Heilung und Rettung nötig wurden, als nämlich bei der alten Kapelle ein großes Stück aus der Außenwand brach.
Kirche sei kein Selbstzweck, sondern für die Menschen da. Sie habe ihren Platz mitten im Leben und mitten im Dorf und für viele bedeute sie im alten Ortskern mit Backhaus, Brunnen und Lindenbaum im Ensemble auch Heimat. An ihr zeige sich, was möglich ist, wenn Menschen sich zusammen tun und gemeinsam an einem großen Ziel arbeiten, sei es der Bau selber gewesen, oder die über die Jahre unerlässlichen Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten. Sie konnten nur gemeinsam gestemmt werden, auch Dank des Engagement all derer, die sich einbrachten mit den unterschiedlichsten Möglichkeiten, ihrem Wissen, Mut, Überzeugung und Herzblut.
Den Blick in die Zukunft gerichtet gebrauchte der Pfarrer noch einmal die Erinnerung an die herausgebrochene Wand der alten Kapelle. Kirche stehe aktuell mitten in ihren tiefgreifendsten Veränderungen. Mitglieder werden weniger und damit schwinden Ressourcen und Möglichkeiten. Ein schmerzhafter Prozess, wie bei dem Stück herausgebrochener Wand, so Daniel Schweizer. Neue Wege würden beschritten und auf dem bereits zurückgelegten Teilstück der letzten Jahre soll 2026 endgültig der Kooperationsraum und damit der gemeinsame Weg der nachbarschaftlichen Zusammenarbeit mit allen Biebertaldörfern und mit Heuchelheim/Kinzenbach vollzogen werden. Wie gut dies schon jetzt funktioniere, zeige der Posaunenchor Heuchelheim, unter Leitung von Marina Jung auf imposante klangvolle Weise und da gab es sogar spontanen Applaus. Im Wechsel mit Bernd Wießner an der Orgel begleiteten die Bläser den Gottesdienst, bei dem alte und bekannte und damit gut singbare Kirchenlieder gesungen wurden.
Unter den Gottesdienstbesuchern waren viele Ehrengäste mit Dekan Andrè Witte-Karp an der Spitze, dem Vorsitzenden des Synadalvorstandes des Dekanats Gießen, Gerhard Schulze-Velmede, den ehemaligen diensthabenden Pfarrern der Fellingshäuser Kirchengemeinde, Helmut Scholl, Claudia Strunk und Horst Rockel sowie Pfarrkollegen der benachbarten Kirchengemeinden und mit Rahel Günther die Pastorin der evangelischen Gemeinschaft Biebertal. Die Diakoniestation Biebertal vertrat ihr Vorsitzender, Thomas Bender. Bürgermeister Patricia Ortmann und die Parlamentsvorsitzende, Elke Lepper waren unter den Ehrengästen und die Fellingshäuser Vereinsgemeinschaft wurde vertreten von Marion Kleist.
Beim anschließenden Empfang im Petrussaal des Gemeindehauses war bei gemeinsamen Kaffeetrinken und Kuchenessen viel Zeit für Grußworte und Gespräche. Die Kirche beeindrucke ihn immer wieder, so der Dekan, der sie als Kraftort für die Fellingshäuser und viele Menschen über die Region hinaus bezeichnete. Beim Blick nach oben zum Tonnengewölbe werde Weite spürbar und damit Raum für Geborgenheit. Helmut Scholl und Claudia Strunk verbanden viele Erinnerungen an ihr Wirken in Fellingshausen und bekräftigten, sich dort stets in vertrauensvoller und wertgeschätzter Weise aufgehoben, verstanden und wohl gefühlt zu haben. Patricia Ortmann sah das Sprichwort, „die Kirche im Dorf lassen“ nicht aus der Zeit gefallen. Mit ihrem Kirchturm stelle sie einen Mittelpunkt dar und der gebe Zuversicht und Kraft, weil auch Menschen einen Bezugspunkt bräuchten. Marion Kleist überreichte als Geschenk 125 €, passend zum Kirchenjubiläum. Daniel Schweizer las Grußworte der Freien Evangelischen Gemeinde Frankenbach und dem ehemaligen Pfarrer, Günter Schäfer vor.
Nächster Termin ist der „Tag der offenen Tür“ der Kirche am 17. Mai.